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Patient Protection and Affordable Care Act
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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
Der Patient Protection and Affordable Care Act (PPACA) ist ein Bundesgesetz der Vereinigten Staaten (deutsch: Patientenschutz und âerschwingliche medizinische Versorgungâ). Es wurde auf Betreiben der Regierung Obama im Jahr 2010, dem zweiten Jahr der Regierungszeit von PrĂ€sident Barack Obama, vom US-Kongress beschlossen und wird deshalb oft als Obamacare bezeichnet. Der PPACA regelt unter anderem den Zugang zur Krankenversicherung und gilt als ein wesentlicher Teil des aktuellen US-Gesundheitssystems.
Das Gesetz und der wenige Tage spĂ€ter erlassene Health Care and Education Reconciliation Act, der es geringfĂŒgig modifizierte, waren juristisch und politisch stark umstritten, und die Auseinandersetzung geht auch nach der Verabschiedung und dem Inkrafttreten weiter. Der Supreme Court of the United States bestĂ€tigte das Gesetz in dem Urteil zum Verfahren National Federation of Independent Business v. Sebelius am 28. Juni 2012 nahezu vollstĂ€ndig.cite-ref-1[1] Zum Stichtag 1. April 2014 wurden aufgrund des Gesetzes die vorher geplanten Zahlen an neuen Versicherten erreicht.
Die Republikanische Partei kĂŒndigte ĂŒber Jahre an, das Gesetz aufheben und ersetzen zu wollen.cite-ref-zeit201701-2-0[2] WĂ€hrend der ersten Legislaturperiode von PrĂ€sident Donald Trump sind jedoch alle Initiativen zur Abschaffung oder Reform des PPACA an der Uneinigkeit der ParteiflĂŒgel gescheitert.cite-ref-spon20170718-3-0[3]
Contents
âą Leistungen
âą Finanzierung
âą Vorgeschichte
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Inhalte des Gesetzes
Zum PPACA gehören zahlreiche Einzelregelungen, die ĂŒber mehrere Jahre in Kraft treten, um ausreichend lange Ăbergangsfristen sowohl fĂŒr Krankenversicherer wie Patienten zu schaffen. Der Kern des Gesetzes ist das so genannte individual mandate, nach dem jeder Amerikaner verpflichtet ist, eine Krankenversicherung abzuschlieĂen, wenn er nicht anderweitig, insbesondere durch seinen Arbeitgeber, abgesichert ist. Ausnahmen gibt es fĂŒr Angehörige einiger weniger religiöser Gruppen, und es existiert eine HĂ€rtefallklausel, die Personen abdecken soll, die wegen ihrer Armut nicht von Medicaid abgedeckt sind und sich keine Versicherung leisten können. Dem steht die Verpflichtung der Versicherungsunternehmen gegenĂŒber, jeden Patienten anzunehmen und die Versicherung nicht von einer GesundheitsprĂŒfung und dem Fehlen von Angaben zu Vorerkrankungen abhĂ€ngig zu machen.
Leistungen
Ein Leistungskern (Essential Health Benefits) wurde fĂŒr alle Versicherungen verpflichtend eingefĂŒhrt; fĂŒr diesen sind weder Ausgabendeckel noch Zuzahlungen zulĂ€ssig. FĂŒr darĂŒber hinaus gehende Leistungen mĂŒssen Zuzahlungen geleistet werden, deren prozentualer Anteil sich danach richtet, welches standardisierte Leistungspaket (Bronze, Silber, Gold, Platin) ein Versicherter gewĂ€hlt hat.cite-ref-4[4] Die meisten US-Bundesstaaten richteten bis Ende 2013 Vergleichsportale im Internet ein, auf denen jedes Jahr zum 15. November alle im jeweiligen Staat zugelassenen VersicherungstrĂ€ger ihre PrĂ€mien und Leistungen transparent darstellen mĂŒssen und auf denen jeder BĂŒrger nach Eingabe seiner Daten die jeweils gĂŒnstigsten Anbieter der Pakete Bronze, Silber und Gold angezeigt bekommt. FĂŒr Einwohner jener Staaten, die keine Vergleichsportale einrichten, legte die Bundesregierung ein zentrales Portal unter healthcare.gov an. Bisher unversicherte BĂŒrger können sich dann zwischen dem 15. November und dem 15. Dezember fĂŒr eine Versicherung ab dem 1. Januar des Folgejahres einschreiben. Steuervorteile und Subventionen stehen nur den BĂŒrgern zu, die sich ĂŒber eines der amtlichen Portale versichern.
Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern mĂŒssen entweder ihren Mitarbeitern eine Versicherung nach mindestens Bronze-Niveau anbieten oder sich ĂŒber eine Steuer an der Finanzierung der Reform beteiligen. Sehr kleine Unternehmen können ZuschĂŒsse fĂŒr bestimmte Gruppenversicherungen erhalten.cite-ref-5[5]
Die Bundesregierung weitet Medicaid auf alle Personen aus, deren Einkommen unterhalb der Armutsdefinition des Bundes liegt. Die einzelnen Bundesstaaten können beschlieĂen, dass ihre BĂŒrger auch zwischen 100 % und 400 % der Armutsgrenze Zugang zu ErmĂ€Ăigungen fĂŒr eine Krankenversicherung erhalten; die Subventionen ĂŒbernimmt die Bundesregierung. 25 Staaten haben sich â aus fundamentaler Ablehnung der Gesundheitsreform â gegen eine Ausweitung entschieden. Sie werden alle von einer republikanischen Mehrheit regiert. Diese Staaten beteiligen sich auch nicht an den Vergleichsportalen, so dass fĂŒr ihre BĂŒrger eine Internetseite der Bundesregierung eingerichtet wurde.
Nichtversicherte, die keiner der Ausnahmen unterliegen, mĂŒssen ab 2015 das Ăquivalent ihrer VersicherungsprĂ€mien an die Bundesregierung abfĂŒhren. Diese Regelung soll den Vollzug der Versicherungspflicht sicherstellen und war der Kern der gerichtlichen Auseinandersetzungen ĂŒber den PPACA. Das Supreme Court entschied, dass eine solche Pflicht als Strafregelung unzulĂ€ssig sei, deutete sie jedoch im Rahmen der verfassungsfreundlichen Auslegung in eine Steuer um und erklĂ€rte diese fĂŒr zulĂ€ssig. Eine Klausel, nach der US-Bundesstaaten, die bestimmte Verpflichtungen aus dem Gesetz nicht erfĂŒllen, sĂ€mtliche BundeszuschĂŒsse fĂŒr Medicaid verlieren wĂŒrden, wurde vom Supreme Court als einziger Bestandteil des Gesetzespakets fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rt und gestrichen.
Finanzierung
Zur Finanzierung der Leistungsausweitung wurde eine neue Steuer von 3,8 % auf ZinsertrĂ€ge und Dividendeneinkommen erhoben und ein Zuschlag von 0,9 % auf die Einkommensteuer ab einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 200.000 Dollar. FĂŒr einkommensschwache Versicherte werden ZuschĂŒsse zur Versicherung neu eingefĂŒhrt und bestehende erhöht. AuĂerdem wird das bereits existierende Programm, das Kinder einkommensschwacher Familien versichert, erheblich ausgeweitet. Diese Subventionen sind einkommensabhĂ€ngig gestaffelt und laufen je nach Zahl abhĂ€ngiger Familienmitglieder bei einem Jahreseinkommen zwischen 40.000 und 50.000 Dollar aus.cite-ref-frum20170630-6-0[6]
Innerhalb der Versicherungen subventionieren junge und gesunde Versicherte Ă€ltere Versicherte und solche mit chronischen Krankheiten, bei denen höhere Ausgaben anfallen. Die SteuerzuschlĂ€ge und die Quersubventionierung innerhalb der Versicherungstarife reichen nach den Erfahrungen bis Mitte 2017 aus, um die Leistungsausweitung abzudecken. Sie decken aber nicht die Ausweitung der Anspruchsberechtigten fĂŒr Medicare ab, und das obwohl viele Bundesstaaten die Ausweitung nicht unterstĂŒtzen, darunter Texas als Staat mit der zweitgröĂten Bevölkerung in den USA.cite-ref-frum20170630-6-1[6]
Gesetzgebungsprozess
Vorgeschichte
Wahlkampfprogramm von PrÀsident Obama
Barack Obama hatte in seinem Wahlprogrammcite-ref-7[7] eine allgemeine Krankenversicherungspflicht abgelehnt. Eine Ausnahme wollte er nur fĂŒr die Kinder: Diese sollten zukĂŒnftig ausnahmslos alle krankenversichert werden.cite-ref-konrad-adenauer-stiftung-clinton-obama-mccain-wer-hat-die-beste-gesundheitsreform-8-0[8] Es sei den Eltern zumutbar, ihre Kinder versichern zu lassen, da Krankenversicherungen fĂŒr Kinder sehr billig seien. Da jedoch manche Eltern eine Versicherung fĂŒr ihre Kinder trotzdem nicht bezahlen können, sollte das State Childrenâs Health Insurance Program (SCHIP) ausgebaut werden.
Allerdings sollte die Zahl der Unversicherten durch eine Ausweitung staatlicher Hilfsprogramme und finanzieller Anreize sowie neuer Richtlinien verringert werden:
1. Kleinen Unternehmen sollte es durch die EinfĂŒhrung neuer Steuergutschriften erleichtert werden, ihren Arbeitern und Angestellten Krankenversicherungsschutz zu gewĂ€hren.
2. Gleichzeitig sollten gröĂere Unternehmen, die ihren Arbeitern und Angestellten keinen oder nur einen geringen Krankenversicherungsschutz anbieten, durch eine Art Lohnsummensteuer an der Finanzierung des öffentlichen Gesundheitswesens (zwangs-)beteiligt werden.
3. Krankenversicherungen sollte es zukĂŒnftig untersagt werden, sich auf Vorerkrankungen, sogenannte pre-existing conditions, zu berufen. Diese sollten unter dieser BegrĂŒndung Zahlungen nicht mehr verweigern oder BeitrĂ€ge erhöhen dĂŒrfen.cite-ref-robert-laszewski-9-0[9]
Zudem wollte Obama im Sinne des Public-Private-Modells eine staatliche Krankenversicherung als ErgĂ€nzung zu den privaten Krankenversicherungen einfĂŒhren.cite-ref-konrad-adenauer-stiftung-clinton-obama-mccain-wer-hat-die-beste-gesundheitsreform-8-1[8] Dieses war Ă€hnlich der Medicare angedacht, sollte sich aber an Menschen richten, die noch keine 65 Jahre alt sind. Zielgruppe sollten vor allem solche Menschen sein, die keinen Krankenversicherungsschutz ĂŒber den Arbeitgeber erhalten können und nicht bereits durch Medicaid oder SCHIP versichert sind.cite-ref-robert-laszewski-9-1[9]
Alternative GesetzgebungsvorschlÀge im Kongress
Im Kongress wurden im Jahr 2009 einige GesetzesvorschlÀge zur Reform des Gesundheitssystems eingereicht.
Der United States National Health Care Act wurde von dem demokratischen Abgeordneten John Conyers eingebracht. Nach diesem Gesetzesvorschlag sollte Medicare zu einer allgemeinen staatlichen Krankenversicherung ausgebaut werden, die alle BĂŒrger versichert (Universal Single-Payer Healthcare). Private Krankenversicherungen wĂ€ren dann nicht mehr benötigt worden, die Versicherungskosten wĂ€ren wie bei Medicare ĂŒber Steuern finanziert worden. Vorbild fĂŒr den Reformvorschlag war das kanadische Gesundheitssystem.cite-ref-10[10]
Der Healthy Americans Act, der von dem demokratischen Senator Ron Wyden und dem republikanischen Senator Bob Bennett eingereicht wurde, hatte zum Ziel, dass alle BĂŒrger verpflichtet werden, eine Krankenversicherung abzuschlieĂen (National Health Insurance). Es sollte aber weiterhin verschiedene staatliche und private Krankenversicherungen geben, ein Single-Payer-Modell war hier also nicht angedacht. Medicaid und das State ChildrenâČs Health Insurance Program sollten aufgelöst werden. Das bisherige System der arbeitgebervermittelten Gruppenversicherungen sollte abgeschafft werden. An deren Stelle sollten staatlich vermittelte Healthy Americans Private Insurance Plans treten; die Bezahlung der Versicherungskosten wĂ€re ĂŒber Steuern erfolgt, die Steuereinnahmen wĂ€ren dann an die jeweilige Versicherung verteilt worden. Der Vorteil wĂ€re gewesen, dass die Krankenversicherung bei einem Arbeitgeberwechsel hĂ€tten bestehen bleiben können. Die Versicherungsbedingungen wĂ€ren fĂŒr alle Versicherungen einheitlich von der Regierung definiert worden. Bei Umsetzung dieses Planes wĂ€ren auf die meisten BĂŒrger höhere Krankenversicherungskosten zugekommen als bisher. Dies wĂ€re dadurch abgemildert worden, dass die Krankenversicherungskosten bei der Einkommensteuer in groĂzĂŒgigem Umfang steuermindernd hĂ€tten geltend gemacht werden können. FĂŒr die Arbeitgeber wĂ€ren die freiwilligen Krankenversicherungsleistungen an ihre Arbeitnehmer weggefallen, dafĂŒr hĂ€tten diese eine Sondersteuer zahlen und die Löhne ihrer Arbeitnehmer erhöhen sollen.cite-ref-11[11]
Verabschiedung der Gesundheitsreform 2010
Gesetzgebungsvorschlag der FĂŒhrung der Demokratischen Partei
Der Americaâs Affordable Health Choices Act of 2009 wurde von John Dingell, Charles B. Rangel, Henry Waxman, George Miller, Pete Stark, Frank Pallone und Rob Andrews eingebracht. Er reprĂ€sentiert das Gesetzesvorhaben der FĂŒhrung der Demokratischen Partei. Der Gesetzesvorschlag greift die ReformplĂ€ne von PrĂ€sident Obama auf.cite-ref-12[12]
ĂuĂerst heftige Proteste von Seiten der Konservativen folgten auf die mit dem AmericaâČs Affordable Health Choices Act of 2009 vorgelegten ReformplĂ€ne.cite-ref-13[13] Ein Vorwurf mit groĂer Medienwirkung war die wiederholt erhobene Behauptung, dass durch die Reform âdeath panelsâ (âTodesausschĂŒsseâ) eingefĂŒhrt wĂŒrden. Der Hintergrund war, dass in dem umfangreichen Gesetzesvorschlag als ein Unterpunkt eine Ănderung der Section 1861 des Social Security Act dergestalt vorgesehen war, dass sich Medicare-Patienten zukĂŒnftig auf Staatskosten unter anderem von ihrem Arzt ĂŒber die (bereits bestehende) Möglichkeit einer PatientenverfĂŒgung informieren lassen dĂŒrften.cite-ref-14[14] Diese Idee wurde aus einer Gesetzesinitiative ĂŒbernommen, die von dem republikanischen Kongressabgeordneten Charles Boustany miteingebracht worden war, dem Life Sustaining Treatment Preferences Act of 2009.cite-ref-15[15] Die rechtsgerichtete Tageszeitung InvestorâČs Business Daily meinte darin einen Plan zur ErgrĂŒndung des Lebenswillens von Ă€lteren MitbĂŒrgern zu erkennen, die durch ihren Arzt systematisch zu Sterbehilfe gedrĂ€ngt werden sollen. Letztlich sei demnach Euthanasie an Senioren und Kranken geplant. Die Zeitung zog einen Vergleich mit dem staatlichen Gesundheitssystem in GroĂbritannien, dem National Health Service, und behauptete, dass Menschen mit einer schweren Behinderung wie zum Beispiel der berĂŒhmte Wissenschaftler Stephen Hawking dort keine Ăberlebenschance hĂ€tten.cite-ref-16[16] Das âDeath-panelâ-Argument wurde von vielen Republikanern, insbesondere der vormaligen republikanischen Kandidatin um das Amt des VizeprĂ€sidenten, Sarah Palin, aufgegriffen.cite-ref-17[17] GemĂ€Ăigte Republikaner wandten sich gegen diese Strategie. Palin und andere wurden von der republikanischen Senatorin Lisa Murkowski kritisiert: da es keinen Grund gĂ€be, in der Bevölkerung absichtlich die Angst vor âdeath panelsâ zu schĂŒren, die der AmericaâČs Affordable Health Choices Act of 2009 ĂŒberhaupt nicht vorsehe, solle man lieber seriöse und sachliche Kritik ĂŒben.cite-ref-18[18] Der Republikaner Charles Boustany stellte fest, dass die Diskussion ĂŒber das Thema leider auĂer Kontrolle geraten sei.cite-ref-19[19] Stephen Hawking fĂŒhlte sich schlieĂlich genötigt, klarzustellen, dass er seit seiner Geburt in GroĂbritannien lebe und nur aufgrund der sehr guten medizinischen Betreuung durch den National Health Service ĂŒberhaupt noch am Leben sei.cite-ref-20[20]
Des Weiteren wurde die Option auf eine staatliche Krankenversicherung kontrovers diskutiert. Es besteht die BefĂŒrchtung, dass die privaten Krankenversicherungsgesellschaften in groĂem AusmaĂ Kunden verlieren könnten und deshalb Mitarbeiter entlassen mĂŒssten.cite-ref-21[21] Ăberdies wurden die Kosten der Reform diskutiert, insbesondere die Situation kleinerer Unternehmen, die es sich nicht leisten könnten, ihre Arbeitnehmer zu versichern. AuĂerdem gibt es eine Kontroverse darĂŒber, ob das Gesetzesvorhaben dazu fĂŒhren könnte, dass illegale Einwanderer ebenfalls in den Genuss von Krankenversicherungsschutz kommen.cite-ref-22[22] PrĂ€sident Obama versuchte am 9. September 2009, in einer Rede vor dem Kongress bestehende Bedenken auszurĂ€umen.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]
Gesetzgebungsverfahren in ReprÀsentantenhaus und Senat
Das ReprĂ€sentantenhaus hat am 8. November 2009 den Affordable Health Care for America Act, den Nachfolger des AmericaâČs Affordable Health Choices Act of 2009, verabschiedet.cite-ref-25[25]
Am 13. September 2009 hat der Finanzausschuss des Senats dem von Senator Max Baucus eingebrachten Americaâs Healthy Future Act zugestimmt. Dieser entspricht weitgehend den ReformplĂ€nen der FĂŒhrung der Demokratischen Partei, sieht allerdings anstelle einer optionalen staatlichen Krankenversicherung eine staatlich regulierte privatrechtliche Krankenversicherung vor.cite-ref-26[26] Am 21. November stimmte der Senat mit der Mehrheit der Demokraten dafĂŒr, den Patient Protection and Affordable Care Act, der eine Weiterentwicklung des Americaâs Healthy Future Act ist, auf die Tagesordnung zu setzen, um ĂŒber diesen zu debattieren.cite-ref-27[27] Am 21. Dezember 2009 stimmte der Senat schlieĂlich mit der notwendigen 3/5 Mehrheit fĂŒr eine zeitliche Begrenzung der Debatten, dadurch konnte ein Filibuster verhindert werden. Eine Abstimmung ĂŒber den Gesetzesentwurf fand am 24. Dezember 2009 statt, dabei wurde der Gesetzesvorschlag mit 60 zu 39 Stimmen angenommen.cite-ref-28[28]
Als weiterer Schritt mussten sich Senat und ReprĂ€sentantenhaus auf eine einheitliche Gesetzesvorlage einigen.cite-ref-29[29] Allerdings hatten die Demokraten durch eine Nachwahl ihre Drei-FĂŒnftel-Mehrheit im Senat verloren. Dadurch bekamen die Republikaner die Möglichkeit, durch Filibustern den Gesetzgebungsprozess erheblich zu verzögern.
Daher wurde ein Weg beschritten, der die mögliche Blockade im Senat umgehen sollte. DemgemÀà stimmte das ReprĂ€sentantenhaus am 21. MĂ€rz 2010 mit 219 gegen 212 Stimmen dem Patient Protection and Affordable Care Act des Senats zu, wodurch dieser Gesetz wurde.cite-ref-30[30] Die ĂnderungswĂŒnsche der demokratischen Vertreter im ReprĂ€sentantenhaus am Patient Protection and Affordable Care Act enthĂ€lt der Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010. Im zweiten Schritt wurde daher am selben Tag der Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010cite-ref-31[31] mit 220 gegen 211 Stimmen verabschiedet.cite-ref-32[32] Ăber dieses Gesetz hat der Senat am 25. MĂ€rz 2010 im Reconciliation-Verfahren getagt und abgestimmt, in dem ein Filibuster nicht möglich ist. Der Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010 wurde im Senat mit 56 zu 43 Stimmen verabschiedet.cite-ref-33[33]
Juristische Auseinandersetzungen
â
Hauptartikel
:
National Federation of Independent Business v. Sebelius
Einige Organisationen (wie die National Federation of Independent Business), Teile der Republikanischen Partei und einige Bundesstaaten hatten gegen die Gesundheitsreform Klage erhoben. Hauptstreitpunkt war die EinfĂŒhrung der allgemeinen Versicherungspflicht. Am 28. Juni 2012 bestĂ€tigte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in einem Urteilcite-ref-34[34] (National Federation of Independent Business v. Sebelius) die VerfassungsmĂ€Ăigkeit wesentlicher Teile des Patient Protection and Affordable Care Act. Der Gerichtshof sprach dem Kongress zwar eine aus der Commerce Clause der Verfassung ableitbare Kompetenz ab, die BĂŒrger zum Abschluss einer Krankenversicherung zu verpflichten. Die mit Verabschiedung der Gesundheitsreform ab 2014 wirksam werdende Geldstrafe fĂŒr (nicht befreite) Nichtversicherte interpretierte die Mehrheit der Richter aber als eine Steuer, die von der Besteuerungskompetenz des Bundes gedeckt ist.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] Der Gerichtshof sprach nur einer im Gesetz vorgesehenen Regelung die VerfassungsmĂ€Ăigkeit ab: die Bundesregierung durfte nicht Bundesstaaten bei ausbleibender Kooperation mit Entzug der gesamten Medicaid-Gelder abstrafen.cite-ref-37[37]
Im Juni 2014 entschied der Oberste Gerichtshof im Verfahren Hobby Lobby, dass bestimmte â insbesondere inhabergefĂŒhrte â Arbeitgeber darauf bestehen können, dass einzelne Verfahren der EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung aus religiösen GrĂŒnden von der ihren Mitarbeitern angebotenen Krankenversicherung ausgenommen werden dĂŒrfen. Auf sie wird damit eine im Gesetz bislang nur fĂŒr religiöse Vereinigungen vorgesehene Ausnahme ausgedehnt, nach der diese Leistungen von den Krankenversicherungen auf eigene Rechnung ĂŒbernommen werden. Das ist ohne negative Auswirkungen fĂŒr die versicherten Frauen möglich, weil Mittel zur EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung den Versicherungen mehr Ausgaben einsparen als sie kosten.cite-ref-38[38]
2015 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die Subvention der VersicherungsbeitrĂ€ge allen Amerikanern zusteht, egal ob sie in einem Staat leben, der ein eigenes Vergleichsportal anbietet, oder einem, der das nicht tut und dessen BĂŒrger auf das Portal der Bundesregierung zugreifen. KlĂ€ger hatten nach einer umstrittenen Formulierung im Wortlaut des Gesetzes die Annahme vertreten, nur Portale eines Bundesstaates wĂŒrden zum Zugang zu Subventionen berechtigen. Der Oberste Gerichtshof wies diese Interpretation mit 6:3 Stimmen zurĂŒck.cite-ref-39[39]
Im Mai 2016 entschied ein Bundesgericht aufgrund einer Klage der republikanischen Mehrheitsfraktion, dass der PPACA entgegen der Auffassung der Regierung Obama keine Mittelzuweisung im Bundeshaushalt enthalten wĂŒrde. Daher dĂŒrfe die Bundesregierung keine Zahlungen an die Versicherungen leisten, mit denen VertrĂ€ge sozial schwacher Versicherter subventioniert werden.cite-ref-40[40] Die Regierung legte Berufung ein und das Gericht setzte die Entscheidung aus.cite-ref-nyt20170603-41-0[41] Nach der RegierungsĂŒbernahme durch Donald Trump erklĂ€rte dessen Gesundheitsministerium, trotz der Entscheidung alle Subventionen weiterhin zu zahlen.cite-ref-42[42]
Im Jahr 2021 wies der Supreme Court, trotz dessen Besetzung mit mehrheitlich konservativen Richtern, eine weitere Verfassungsklage der Republikaner, diesmal im Rechtsfall Texas v. California, mit einer Mehrheit von sieben zu zwei ab. Damit bleiben die Leistungen des Gesetzes erhalten, auch wenn die Zwangszahlungen Unversicherter seit 2017 entfallen sind.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]
Fortsetzung des politischen Konflikts
Die politische Debatte ging nach der Verabschiedung und auch nach dem Inkrafttreten weiter. Die Republikanische Partei machte das Gesetz zu einem Symbol fĂŒr die Auseinandersetzung mit den Demokraten. Alle ihre Versuche im Kongress scheiterten vor der Wahl vom November 2014 an der demokratischen Mehrheit im Senat. Allerdings verhinderten die Republikaner im ReprĂ€sentantenhaus jede Anpassung des Gesetzes, so auch die Behebung erkannter SchwĂ€chen.cite-ref-gluck2017-05-25-46-0[46] Nachdem die Republikaner im 114. Kongress der Vereinigten Staaten in beiden HĂ€usern die Mehrheit errungen hatten, gab es einen weiteren Versuch, gegen den PrĂ€sident Obama im Januar 2016 sein fĂŒr diesen Fall angekĂŒndigtes Veto einlegte.cite-ref-47[47]
In den Bundesstaaten, in denen die Republikaner die Mehrheit stellten, verhinderten sie auf verschiedene Weise die Umsetzung oder den Erfolg der Krankenversicherung. Ohne die Ausweitung von Medicare fehlten Subventionen fĂŒr die untere Mittelschicht, von Republikanern eingereichte Klagen fĂŒhrten zu Unsicherheit bei Versicherungen und in der Folge zu mangelnden Investitionen. Zudem verwiesen Republikaner immer wieder auf einen angeblich bevorstehenden Kollaps des Systems durch steigenden PrĂ€mien, wobei davon fast ausschlieĂlich jene Staaten betroffen sind, in denen die republikanische Mehrheit die volle Anwendung des Gesetzes verhindert hat.cite-ref-gluck2017-05-25-46-1[46]
Bei republikanischer Mehrheit von 2012 bis 2015 im ReprÀsentantenhaus
Der bei den US-PrĂ€sidentschaftswahlen von 2012 letztlich erfolglose republikanische Kandidat Mitt Romney wollte das Gesetz im Falle seines Sieges aufheben.cite-ref-48[48] Ende 2013 nutzte der Tea-Party-FlĂŒgel der Republikanischen Partei im ReprĂ€sentantenhaus das Budgetrecht als Druckmittel. Er erklĂ€rte, einem Nothaushalt nur zuzustimmen, wenn alle HaushaltsansĂ€tze fĂŒr die Versicherungsreform gestrichen, also das Gesetz leerlaufen wĂŒrde. Nachdem der demokratisch dominierte Senat und PrĂ€sident Obama nicht bereit waren, darĂŒber zu verhandeln, kam es ab 1. Oktober 2013 zum vorĂŒbergehenden 16-tĂ€gigen Government Shutdown. Am 16. Oktober mussten die Republikaner im Kongress einlenken und einem Haushalt zustimmen. Die öffentliche Meinung hatte sich gegen sie gedreht, weil der Stillstand der Verwaltung ihnen angelastet wurde.
Die politische Auseinandersetzung ging in den einzelnen Bundesstaaten weiter. Das Gesetz stellt groĂzĂŒgige Bundesmittel bereit, um die Leistungen von Medicaid auf BĂŒrger auszudehnen, die je nach Einkommen und Zahl der Familienangehörigen ein Einkommen von bis zu 400 % der Armutsschwelle nachweisen. Voraussetzung ist, dass ihr jeweiliger Bundesstaat diese Ausdehnung durch Gesetz beschlieĂt. Die Mehrzahl der republikanisch regierten Bundesstaaten lehnten das Gesetz politisch vollstĂ€ndig ab und verweigern zu Beginn ihren BĂŒrgern diese Leistungen des Bundes. Zwangsmittel im Gesetz waren der einzige Teil, der durch das Oberste Bundesgericht gekippt wurde.
In den Jahren nach der EinfĂŒhrung des Gesetzes und mit den positiven Erfahrungen in Staaten, die Medicaid ausgedehnt haben, wenden sich auch streng republikanische Bundesstaaten von der Hardliner-Position ab.cite-ref-49[49] Arizona, Arkansas, Indiana, Iowa, Michigan, Nevada, New Jersey, New Mexico und Ohio haben Medicaid bis Ende 2015 erweitert. In South Dakota, Tennessee und Utah befĂŒrworteten republikanische Gouverneure eine Ausdehnung, die Parlamente waren dagegen. Die Fraktionen der Republikaner im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat sehen diese Spaltung der Parteilinie als Bedrohung.
PrÀsidentschaft Trump
Im Wahlkampf vor der PrĂ€sidentschaftswahl am 8. November 2016 machten Donald Trump, die Republikanische Partei und viele republikanische Politiker den ACA zum Wahlkampfthema. Die Republikaner behielten ihre Mehrheit in beiden HĂ€usern des Kongresses und Trump wurde zum US-PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. In der konstituierenden Sitzung des 115. Kongresses beschloss die republikanische Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus Anfang Januar 2017 eine Finanzresolution, die neben allgemeinen Zuweisungen Mittel zur VerfĂŒgung stellt, mit denen die Gesetzgeber eine neue Gesundheitsgesetzgebung erarbeiten können. Zudem wurde die Voraussetzung geschaffen, dass die entsprechende Gesetzgebung den Kongress auf dem beschleunigten Weg eines Reconciliation-Verfahrens passieren kann.cite-ref-50[50] Trump erlieĂ am Tag seiner AmtseinfĂŒhrung eine Anordnung an die Gesundheitsbehörden, alle Möglichkeiten zur Kostenentlastung von Versicherten, Versicherungen und Leistungsanbietern zu nutzen;cite-ref-zeit201701-2-1[2] kurz darauf berief er Tom Price, einen Kritiker des Gesetzes, als Gesundheitsminister in sein Kabinett. Die allgemeine Ablehnung des ACA unter Republikanern verdeckt aber groĂe Meinungsunterschiede darĂŒber, welche Teile des Gesetzespaketes aufgehoben und welche erhalten werden sollen. Beobachter prognostizieren einen mehrjĂ€hrigen Prozess, der von Unsicherheiten wie den MehrheitsverhĂ€ltnissen im Senat bestimmt sein könnte.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Anfang MĂ€rz 2017, sechs Wochen nach Trumps Amtsantritt, legte die Mehrheitsfraktion der Republikaner im ReprĂ€sentantenhaus der Vereinigten Staaten einen Gesetzentwurf vor, mit dem âObamacareâ durch ein neues System ersetzt werden soll. Die Versicherungspflicht und die Subventionen aus Steuermitteln sollen abgeschafft werden.cite-ref-53[53] Laut dem unabhĂ€ngigen BudgetbĂŒro des Kongresses (CBO) drohte dadurch 2018 rund 14 Millionen Menschen der Verlust der Krankenversicherung.cite-ref-54[54]cite-ref-55[55] Der Gesetzesentwurf (American Health Care Act), der einer von mehreren Schritten zur Abschaffung und Ersetzung von Obamacare sein sollte, scheiterte am 24. MĂ€rz 2017: Nachdem sich abzeichnete, dass sowohl moderate republikanische Abgeordnete als auch ultra-konservative Mitglieder des Freedom Caucus aus verschiedenen GrĂŒnden das Gesetz ablehnen wĂŒrden und der Gesetzesentwurf dadurch keine Mehrheit haben wĂŒrde, lieĂ Speaker Paul Ryan den Entwurf nicht zur Abstimmung stellen.cite-ref-56[56]
Am 4. Mai 2017 stimmten 217 republikanische Abgeordnete des ReprĂ€sentantenhauses nach massivem Druck von Trump und der FraktionsfĂŒhrung fĂŒr eine geringfĂŒgig geĂ€nderte Fassung des American Health Care Act, 213 Demokraten und Republikaner stimmten dagegen.cite-ref-57[57] Der Senat weigerte sich, den Entwurf des ReprĂ€sentantenhauses zu beraten, und plante eine völlig neue Version zu erstellen.cite-ref-58[58] Die ParteifĂŒhrung der Republikanischen Partei wartete, entgegen eigenen Traditionen und Prinzipien, nicht die Berechnungen des CBO ab, wie sich das Vorhaben auf den Etat auswirkt und wie viele Amerikaner durch das Gesetz ihre Versicherungen verlieren könnten.cite-ref-59[59] Das CBO kam am 24. Mai 2017 zum Ergebnis, dass mit dem Gesetzentwurf schon 2018 14 Millionen unter ACA Versicherte ihren Schutz verlieren wĂŒrden, 19 Millionen bis 2020 und 23 Millionen bis 2026. Die Einsparungen des Bundeshaushalts wĂŒrden ĂŒber zehn Jahre 119 Mrd. Dollar betragen, weit weniger als erhofft, und sich ĂŒberwiegend bei den höchsten 5 Prozent der Einkommen auswirken.cite-ref-cbo-score2-60-0[60]
Ein im Juni 2017 vorgelegter neuer Entwurf des Senats griff in die Garantien ein, dass Versicherte nicht wegen Vorerkrankungen diskriminiert werden dĂŒrfen. Er erlaubt es Versicherern, vom Leistungskern Essential Health Benefits abzuweichen und Tarife anzubieten, die keine Leistungen fĂŒr Medikamente oder andere Pflichtleistungen unter dem ACA beinhalten. Junge und gesunde Versicherte könnten auf diese billigeren Tarife ausweichen, so dass die hohen Kosten fĂŒr Langzeittherapien bei chronischen Krankheiten nur noch von den Versicherten in den Standardtarifen getragen wĂŒrden, die so zu Auffangbecken fĂŒr finanzielle Risikopatienten werden und deren VersicherungsprĂ€mien gewaltig steigen wĂŒrden. Genau dieses Risiko wollte der ACA endgĂŒltig beenden.cite-ref-61[61] Auch dieser Entwurf scheiterte im Juli 2017 wegen mangelnder Zustimmung aus beiden FlĂŒgeln der Republikaner.cite-ref-spon20170718-3-1[3] Ende Juli scheiterte der Versuch der Republikaner, im US-Senat eine deutlich verkleinerte Version ihrer Reformvorstellungen (âskinny repealâ, âmagere Aufhebungâ) durchzusetzen und davon ausgehend mit dem ReprĂ€sentantenhaus ĂŒber eine gemeinsame gröĂere Reform zu verhandeln, an der Ablehnung der republikanischen Senatoren Susan Collins, Lisa Murkowski und John McCain.cite-ref-62[62] Am 25. September 2017 gaben die Senatoren Lindsey Graham und Bill Cassidy ihren Entwurf auf, Obamacare durch eine Regionalisierung der Gesundheitsversicherung mittels Verlagerung auf Bundesstaatsebene abzuschaffen; Ende September 2017 endete die Möglichkeit, eine Reform innerhalb des Reconciliation-Verfahrens durchzusetzen, fĂŒr dieses Jahr.cite-ref-63[63]
Es gibt AnsĂ€tze fĂŒr eine ĂŒberparteiliche Initiative, statt einer Abschaffung eine Verbesserung von Obamacare zu erarbeiten. Dazu rief Ende Juli 2017 der PrĂ€sident der gemeinnĂŒtzigen Kaiser Family Foundation auf.cite-ref-64[64] Einige Senatoren arbeiteten unter FĂŒhrung des Republikaners Lamar Alexander und der Demokratin Patty Murray im Sommer 2017 an einer solchen Lösung; die GesprĂ€che wurden Mitte September 2017 ausgesetzt.cite-ref-65[65]
Die republikanische Mehrheit verzichtete auf den Versuch, ein Urteil des Bundesgerichts fĂŒr Washington, D.C. vom Juni 2017 durchzusetzen, wonach Subventionen fĂŒr sozial SchwĂ€chere keine ausreichende Rechtsgrundlage hĂ€tten. Auch hier lieĂen die Republikaner das bestehende Gesundheitssystem unverĂ€ndert.cite-ref-nyt20170603-41-1[41]
Am 12. Oktober 2017 unterzeichnete Trump ein Dekret, das es Versicherungen erlaubt, gĂŒnstigere Policen mit bis zu jĂ€hrlicher Laufzeit fĂŒr Menschen ohne hohe Gesundheitsrisiken verkaufen zu dĂŒrfen, was die Obamacare-MĂ€rkte, die bisher hohen Mindeststandards fĂŒr einen Leistungskern unterliegen, zusammenbrechen lassen und Obamacare so auf administrativem Weg zu Fall bringen könnte.cite-ref-66[66] Im November 2017 koppelte die republikanische Mehrheit im Kongress die Aufhebung des individual mandates, also der Versicherungspflicht, mit dem Haushaltsgesetz fĂŒr 2018. Ab dem 1. Januar 2019 entfĂ€llt damit der Pflichtcharakter der Versicherung.cite-ref-67[67] Anfang 2018 wurde als nĂ€chster Schritt vorgeschlagen, auch die Pflicht aller Arbeitgeber mit mehr als 30 Mitarbeitern aufzuheben, eine Versicherung anzubieten.cite-ref-68[68]
Im November 2025 erklĂ€rte US-PrĂ€sident Donald Trump, er wolle die im Affordable Care Act vorgesehenen KrankenversicherungszuschĂŒsse grundsĂ€tzlich nicht verlĂ€ngern. Anlass der ĂuĂerung war ein Medienbericht, dem zufolge das WeiĂe Haus eine zweijĂ€hrige VerlĂ€ngerung dieser ZuschĂŒsse prĂŒfe, da sie zum 31. Dezember 2025 auslaufen und Millionen Versicherte andernfalls mit deutlich steigenden PrĂ€mien rechnen mĂŒssten. Trump stellte jedoch in Aussicht, dass eine kurzfristige Ăbergangslösung möglich sei. Die Debatte ĂŒber die ZuschĂŒsse war zuvor ein zentraler Streitpunkt im Kongress und spielte eine Rolle beim vorĂŒbergehenden Regierungsstillstand Anfang des Monats.cite-ref-69[69]
Einzelne Regelungen
Kurzfristige Ănderungen
Ănderungen, die innerhalb von sechs Monaten ab Verabschiedung in Kraft traten:
âą Krankenversicherungen ist es verboten, Patienten wegen preexisting conditions (Vorerkrankungen) abzulehnen.
âą Krankenversicherungen ist es verboten, fĂŒr Kinder mit Vorerkrankungen erhöhte VersicherungsbeitrĂ€ge zu verlangen.
âą Kinder dĂŒrfen bis zum 26. Lebensjahr in der Familienversicherung der Eltern versichert bleiben.
âą Krankenversicherungen mĂŒssen sich in allen neuen Versicherungspolicen verpflichten, die Kosten fĂŒr Vorsorgeuntersuchungen zu ĂŒbernehmen, ohne Zuzahlungen des Versicherten verlangen zu dĂŒrfen.
âą Alle Versicherungsunternehmen mĂŒssen ihre Bilanz im Internet veröffentlichen und dabei insbesondere die Verwaltungskosten detailliert aufgliedern.
âą Kleine Unternehmen können erhöhte steuerliche AbzĂŒge geltend machen, wenn sie ihren Arbeitnehmern Krankenversicherungsschutz anbieten.
Versicherungspflicht und zugehörige Reformelemente
Ănderungen, die seit April 2014 greifen:
âą Krankenversicherungen mĂŒssen einen Mindest-Standard an definierten Leistungen (Bronze) umfassen.
⹠Krankenversicherungen ist es auch bei Erwachsenen mit Vorerkrankungen verboten, erhöhte VersicherungsbeitrÀge zu verlangen.
âą Die KrankenversicherungsbeitrĂ€ge von alten Menschen dĂŒrfen nicht mehr als dreimal so hoch sein wie die KrankenversicherungsbeitrĂ€ge junger Menschen bei derselben Versicherung.
âą Einwohner mit einem Einkommen von bis zu 133 % der staatlich festgelegten Armutsgrenze (2013: 11.490 USD Jahreseinkommen fĂŒr Alleinstehende) werden durch die (sozialstaatliche) Medicaid versichert.
âą Bei Einwohnern mit einem Einkommen von bis zu 400 % der staatlich festgelegten Armutsgrenze können die KrankenversicherungsbeitrĂ€ge staatlich bezuschusst werden, wenn der jeweilige Bundesstaat diese Erweiterung beschlieĂt.
⹠Familien können Krankenversicherungskosten stÀrker als bisher steuerlich absetzen.
âą Einwohner, die keine Krankenversicherung abgeschlossen haben, mĂŒssen Strafzahlungen (von bis zu 2 % des Einkommens) leisten, es sei denn, sie sind sehr arm oder haben religiöse GrĂŒnde, keine Krankenversicherung abzuschlieĂen.
âą Firmen mit mehr als 49 VollzeitbeschĂ€ftigten mĂŒssen pro Mitarbeiter eine Strafe zahlen, wenn sie ihren Arbeitnehmern keinen (adĂ€quaten) Krankenversicherungsschutz vermitteln.
âą Den Bundesstaaten wird erlaubt, staatliche gefĂŒhrte Krankenversicherungsbörsen einzurichten, so dass kleine Firmen (die fĂŒr Self-Funded Health Care zu klein sind) und Einwohner ohne arbeitgebervermittelte Krankenversicherungen gemeinsam eine Gruppenversicherung bei privaten Krankenversicherungsanbietern abschlieĂen können.
âą Einwohnern, die mehr als 9,5 % des Einkommens fĂŒr KrankenversicherungsbeitrĂ€ge ausgeben mĂŒssen, wird erlaubt, die Krankenversicherungspolice bei einer staatlichen Behörde abzuschlieĂen. Diese Behörde soll in Zusammenarbeit mit privaten Krankenversicherungen mindestens zwei Gruppenversicherungen aufstellen, von denen mindestens eine gemeinnĂŒtzig arbeitet.
Langzeit-Reformen
Ănderungen, die bis 2018 greifen sollen:cite-ref-73[73]
âą Krankenversicherungen sind auch gegenĂŒber Versicherungsnehmern mit bereits lĂ€nger bestehenden Versicherungspolicen verpflichtet, die Kosten fĂŒr Vorsorgeuntersuchungen zu ĂŒbernehmen, ohne Zuzahlungen des Versicherten verlangen zu dĂŒrfen.
Ănderungen durch den Health Care and Education Affordability Reconciliation Act of 2010:cite-ref-74[74]
âą Die staatliche Bezuschussung der Krankenversicherungskosten fĂŒr Einwohner mit einem Einkommen von bis zu 400 %, gemessen an der staatlich festgelegten Armutsgrenze, wird gegenĂŒber dem Patient Protection and Affordable Care Act noch ausgeweitet.
âą Medicare-Patienten erhalten die Kosten fĂŒr verschreibungspflichtige Medikamente bis zu einer Höhe von $ 250 erstattet (Damit soll das sogenannte âdoughnut holeâ in der Versicherungsleistung von Medicare geschlossen werden).
âą Strafzahlungen von Einwohnern, die keine Krankenversicherung abgeschlossen haben, werden gegenĂŒber dem Patient Protection and Affordable Care Act um weitere 0,5 % des Einkommens erhöht.
âą Die Zahlungen fĂŒr Behandlungen von Medicaid-Patienten waren bisher 20 % niedriger als die Zahlungen fĂŒr Behandlungen von Patienten ohne Medicaid. Als Folge verweigerten viele Ărzte die Behandlung von Medicaid-Patienten. Die Zahlungen fĂŒr Medicaid-Patienten sollen daher erhöht werden.
âą Firmen mĂŒssen ab dem 31. unversicherten VollzeitbeschĂ€ftigten pro Mitarbeiter eine Strafe von $2.000 zahlen, wenn sie ihren Arbeitnehmern keinen (adĂ€quaten) Krankenversicherungsschutz vermitteln. Die Regelung des Patient Protection and Affordable Care Act wurde damit verschĂ€rft.cite-ref-75[75]
Nach SchÀtzungen des Congressional Budget Office ergeben sich dadurch folgende Auswirkungen:cite-ref-76[76]
Die Zahl der Unversicherten soll sich um insgesamt 32 Millionen verringern. Um 17 Millionen soll sich die Zahl der Unversicherten durch eine Ausweitung von Medicaid verringern. Weitere 17 Millionen Unversicherte und ca. 9 Millionen bereits Versicherte sollen durch staatliche Krankenversicherungsbörsen eine (bessere) private Krankenversicherung vermittelt bekommen, wobei der Staat in den meisten FÀllen einen Teil der VersicherungsprÀmien zahlen wird.
Die Kosten der Reform sollen in den nĂ€chsten 10 Jahren $940 Milliarden betragen. Diese Ausgaben sollen durch Steuererhöhungen von $400 Milliarden gegenfinanziert werden (hauptsĂ€chlich durch eine höhere Lohnsteuer fĂŒr Arbeitnehmer mit hohem Einkommen und eine höhere Einkommensteuer fĂŒr Einwohner mit hohen KapitaleinkĂŒnften und durch die Cadillac tax auf besonders teure Krankenversicherungspolicen). Als weiterer groĂer Posten sollen die Ausgaben bei Medicare durch Effizienzsteigerungen um $483 Milliarden reduziert werden. Insgesamt soll das Haushaltsdefizit in den nĂ€chsten 10 Jahren durch die Reform um $130 Milliarden verringert werden.
Mittelbare Wirkungen
Die Versicherungspflicht und die erstmalige Krankenversicherung fĂŒr bislang Unversicherte, insbesondere fĂŒr alleinstehende jĂŒngere MĂ€nner ohne Kinder soll erhebliche Vorteile fĂŒr die Behandlung von Suchterkrankungen und psychischen Krankheiten bringen. Da beide als die maĂgeblichen Faktoren fĂŒr Freiheitsstrafen im ausufernden GefĂ€ngnissystem der Vereinigten Staaten gelten, wird darĂŒber diskutiert, ob die Versicherungsreform mittel- und langfristig eine massive Abnahme der GefĂ€ngnispopulation in den USA mit sich bringen wird.cite-ref-77[77] Die Abdeckung von EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung durch Krankenversicherungen macht VerhĂŒtungsmittel wesentlich zugĂ€nglicher und erlaubt die Wahl des VerhĂŒtungsmittels unabhĂ€ngig von den Kosten. Im ersten Jahr des Gesetzes sparten Versicherte rund 1,4 Mrd. Dollar ein. Als Folgen werden eine geringere Zahl an ungewollten Schwangerschaften, ein höheres Einkommen ĂŒber die gesamte Lebenszeit und weniger Abtreibungen erwartet.cite-ref-78[78]
VorlÀufige Ergebnisse
Am 1. Oktober 2013 sollte die Einschreibung neuer Versicherter beginnen. Doch die Website healthcare.gov wies massive Fehler auf und wurde mit dem Ansturm der BĂŒrger nicht fertig. Todd Park, Chief Technology Officer im WeiĂen Haus, stellte ab dem 17. Oktober ein Team von Experten zusammen, die als Freiwillige innerhalb von 14 Tagen die Seite zum Laufen brachten und innerhalb von sechs Wochen alle wesentlichen Probleme behoben. Er griff dabei im Wesentlichen auf Techniker zurĂŒck, die bereits im PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2012 fĂŒr Obama programmiert hatten.cite-ref-79[79]
Zwischen dem 1. Oktober 2013 und dem 31. MĂ€rz 2014 schrieben sich ĂŒber sieben Millionen Amerikaner neu fĂŒr eine Krankenversicherung ein. Die Zahl erreichte damit trotz der Probleme bei der Umsetzung die vorherige SchĂ€tzung.cite-ref-80[80] Allerdings ergaben Umfragen, dass gerade die Bevölkerungsgruppe, die am meisten von den Reformen profitieren sollte, sich bislang kaum beteiligt hat. Die sozial SchwĂ€chsten mit der geringsten formalen Bildung wurden von Informationen nicht erreicht und haben auch kein Interesse. Den Medien wird vorgeworfen, die Gesundheitsreform nur als politischen Konflikt berichtet zu haben und in viel zu geringem MaĂ Informationen ĂŒber die Inhalte zu vermitteln.cite-ref-81[81]
Zum Stichtag 1. April 2014 war der Anteil der Amerikaner ohne Krankenversicherung mit 15,6 % annĂ€hernd auf die Werte vor der Finanzkrise ab 2007 gefallen.cite-ref-82[82] Durch eine VerlĂ€ngerung der Einschreibephase bis 15. April ergab sich eine weitere Steigerung der Werte, mehr als 8 Millionen wurden bis zu diesem Datum neu versichert.cite-ref-urban20140710-83-0[83] Als primĂ€rer Grund gilt die Ausweitung von Medicaid in den Bundesstaaten, die die Erweiterungsmöglichkeiten wahrgenommen haben. Daneben wirkt sich die Erholung des US-Arbeitsmarktes auf die von Arbeitgebern angebotenen Krankenversicherungen aus.cite-ref-84[84] AuĂerdem haben bisher nicht-versicherte Arbeitnehmer unter dem Druck der Versicherungspflicht die schon bisher angebotenen Versicherungen ĂŒber den Arbeitgeber abgeschlossen.cite-ref-85[85]
UrsprĂŒngliche BefĂŒrchtungen, dass Arbeitgeber im groĂen MaĂstab aus der Vermittlung von Krankenversicherungen aussteigen wĂŒrden,cite-ref-86[86] haben sich nach weiterer Beobachtung nicht erfĂŒllt.cite-ref-kaiser2015-87-0[87] In der Vergangenheit unterstĂŒtzten annĂ€hernd alle groĂen und viele kleine Arbeitgeber ihre Mitarbeiter durch Gruppenversicherungen, zu denen das Unternehmen wesentliche Zuzahlungen leistete. Dies war ein wesentlicher Teil des Gesamtpakets, aus dem sich die Bezahlung der Mitarbeiter zusammensetzte. Allerdings boten Arbeitgeber Versicherungen mit sehr unterschiedlichem Leistungsspektrum. Das PPACA verlangt nun von allen Unternehmen mit mehr als 50 Angestellten, dass sie eine Versicherung mit einem standardisierten Leistungsangebot (Bronze, Silber, Gold) anbieten. Oder sie können eine Steuer von jĂ€hrlich etwas unter 2000 Dollar pro Mitarbeiter entrichten. Diese Steuern werden zweckgebunden zur Subventionierung von individuellen Krankenversicherungen verwendet. Da die Arbeitgeber-BeitrĂ€ge fĂŒr eine Versicherung in der Regel deutlich ĂŒber der Steuer liegen, könnten Unternehmen aus der Krankenversicherung aussteigen. Andererseits hat eine Versicherung unabhĂ€ngig vom Arbeitgeber den Vorteil, dass der Arbeitnehmer im Fall von Arbeitslosigkeit oder dem Wechsel des Arbeitgebers nicht die Versicherung wechseln muss. Da Teile dieser Regelung erst 2018 in Kraft treten werden, können sich noch weitere Effekte ergeben.cite-ref-kaiser2015-87-1[87]
Die Analyse der 2014 neu Versicherten ergab, dass die angestrebte jĂŒngere Zielgruppe erreicht wird. Damit ist die langfristige Ausrichtung des Programms im Plan. Wie zu erwarten war, haben sich bisher aber unter den JĂŒngeren ĂŒberwiegend diejenigen versichert, deren Gesundheit unter dem Schnitt ihrer Altersgenossen liegt und die bisher wegen der BerĂŒcksichtigung von Vorerkrankungen keine oder keine fĂŒr sie bezahlbare Versicherung angeboten bekamen.cite-ref-gallup20140623-88-0[88] Paul Krugman kam in der New York Times aufgrund der Daten zum Schluss, dass die EinfĂŒhrung einen Erfolg darstelle, und er warf den Medien und den von den Medien befragten Experten vor, das Programm systematisch schlechtgeredet zu haben.cite-ref-89[89]
VorlĂ€ufige Auswertungen des ersten vollen Jahrgangs des PPACA ergaben, dass 2014 erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen die absolute Zahl der Unversicherten gesunken ist. Gleichzeitig und deutlich stĂ€rker fiel der Anteil derjenigen, die wegen Behandlungskosten ĂŒber finanzielle Probleme im Alltag berichteten oder wegen der Kosten auf medizinisch notwendige Behandlungen verzichtet oder diese verschoben hatten.cite-ref-90[90] Zudem zeigt ein Vergleich zwischen Bundesstaaten mit Erweiterung von Medicaid und solchen ohne, dass durch Medicaid abgedeckte Personen wegen Krankheitskosten weitaus seltener existentiell wichtige Zahlungen, wie Miete, versĂ€umen und daher deutlich seltener obdachlos werden.cite-ref-91[91]
Auch weiterhin ist ein erheblicher Teil der Gesamtbevölkerung nicht versichert. In den Staaten, die sich an der Ausweitung von Medicaid beteiligten, liegt der Wert bei 10,1 %, in den Staaten, die eine Ausweitung ablehnten, sank die Quote nur leicht auf 18,3 %.cite-ref-urban20140710-83-1[83] FĂŒr die zweite Einschreibeperiode wurde der Regierung empfohlen, in dieser Phase gezielt die bisher nicht erreichten Bevölkerungsschichten anzusprechen.cite-ref-gallup20140623-88-1[88] Diese zweite Einschreibung lief von November 2014 bis April 2015 und erbrachte nur rund 68.000 Neueinschreibungen, obwohl seit 2015 steigende Strafzahlungen fĂŒr Unversicherte fĂ€llig werden.cite-ref-92[92] Andererseits sind zwischen Januar 2014 und April 2015 rund 12 Millionen US-BĂŒrger zusĂ€tzlich bei Medicaid eingeschrieben, so dass die Zahl der Unversicherten erheblich gesunken ist.cite-ref-93[93]
Der Kostenanstieg des gesamten Gesundheitssystems konnte durch neue Regelungen im Rahmen des ACA erheblich gebremst werden. BefĂŒrchtungen ĂŒber die Kostenentwicklung waren von Anfang an GrĂŒnde fĂŒr die Reform.cite-ref-kaiser2015-87-2[87]
2016 prognostizierten die Versicherer Anthem und CIGNA Verluste durch die Versicherten aus dem Affordable Care Act. Der Versicherungskonzern Aetna kĂŒndigte an, sich wegen Verlusten aus den MarktplĂ€tzen fĂŒr entsprechende Versicherungspolicen in 11 von 15 Bundesstaaten zurĂŒckziehen, auf denen man bisher aktiv war. Der Vorstandsvorsitzende begrĂŒndete den Schritt damit, dass es nicht genug gesunde Versicherte geben wĂŒrde, die die Behandlung derjenigen mit schweren Krankheiten finanzieren könnten. Beobachter vermuteten dagegen den gescheiterten Versuch eines Firmenzusammenschlusses mit Humana Inc. als Grund fĂŒr den RĂŒckzug.cite-ref-94[94]
Die ersten beiden Jahre seit der direkten Einschreibung brachten einen RĂŒckgang der Unversicherten von 44 Millionen (2013) auf 28 Millionen (2016). Dabei handelt es sich um Menschen mit prekĂ€ren Jobs in (republikanisch regierten) Bundesstaaten, die Medicaid nicht erweitert haben, oder um undokumentierte Einwanderer, fĂŒr die es keinen Zugang zu den Versicherungssystemen gibt.cite-ref-95[95]
Das Gesetz reduzierte die Anzahl von Amerikanern zwischen 18 und 64 Jahren, die unversichert waren, von 22,3 Prozent im Jahr 2010 auf 12,4 Prozent im Jahr 2016. UngefÀhr 21 Millionen zusÀtzliche Amerikaner haben zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes Schutz durch eine Krankenversicherung.cite-ref-96[96]cite-ref-nyt20200323goodnoughabelsonetal-97-0[97] Zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes zeigten Studien, dass der Affordable Care Act einen positiven Effekt auf die Gesundheit hatte und zudem eine Reduzierung der Sterblichkeitsrate verursachte.cite-ref-nyt20200323goodnoughabelsonetal-97-1[97]
Propaganda gegen Gesundheitsreform
Literatur
âą Jonathan Cohn: The Ten Year War: Obamacare and the Unfinished Crusade for Universal Coverage. St. Martinâs Press, New York 2021, ISBN 978-1-250-27093-1.
Weblinks
Commons
: Patient Protection and Affordable Care Act
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą healthcare.gov, die zentrale Informations- und Buchungsplattform der Bundesregierung
âą Government Printing Office: Public Law 111 â 148 â Patient Protection and Affordable Care Act, Volltext des Gesetzes
Einzelnachweise
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cite-note-spon20170718-33. â Spiegel online: Trumps gescheiterte Gesundheitsreform, 18. Juli 2017
cite-note-44. â Jean Folger: Essential Health Benefits Under The Affordable Care Act. Forbes Magazine, 11. Oktober 2013, archiviert vom Original am 28. Juli 2017; abgerufen am 28. Juli 2017.
cite-note-55. â University of California, Los Angeles: Ăbersicht zum Patient Protection and Affordable Care Act der Juristischen FakultĂ€tsbibliothek mit ErklĂ€rungen und weiterfĂŒhrenden Links
cite-note-frum20170630-66. â David Frum: How Republicans Can Fix American Health Care. In: The Atlantic, 30. Juni 2017
cite-note-77. â Siehe auch: BarackObama.com Plan fĂŒr ein gesundes Amerika (Memento vom 10. Februar 2016 im Internet Archive) (englisch, abgerufen am 17. November 2009)
cite-note-konrad-adenauer-stiftung-clinton-obama-mccain-wer-hat-die-beste-gesundheitsreform-88. â Konrad-Adenauer-Stiftung: Clinton, Obama, McCain: Wer hat die beste Gesundheitsreform? (deutsch, abgerufen am 14. April 2009; PDF; 131 kB)
cite-note-robert-laszewski-99. â The Health Care Blog: Robert Laszewski: Eine detaillierte Analyse von Barack Obamaâs Reform der GesundheitsfĂŒrsorge (englisch, abgerufen am 17. November 2009)
cite-note-1010. â siehe auch: The Library of Congress: Informationen zum United States National Health Care Act (Memento des Originals vom 4. Juli 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/thomas.loc.gov (englisch, abgerufen am 13. September 2009)
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cite-note-1212. â siehe auch: The Library of Congress: Informationen zum America's Affordable Health Choices Act of 2009 (Memento des Originals vom 31. Mai 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/thomas.loc.gov (englisch, abgerufen am 13. September 2009)
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cite-note-1515. â siehe auch: The Library of Congress: Life Sustaining Treatment Preferences Act of 2009 (Memento des Originals vom 30. Januar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/thomas.loc.gov (englisch, abgerufen am 18. September 2009)
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cite-note-2626. â Spiegel online: Vorentscheid im Senat, Obama feiert Etappensieg fĂŒr Gesundheitsreform (deutsch, abgerufen am 7. November 2009)
cite-note-2727. â Kaiser Family Foundation: Presseschau der Kaiser Health News zur Abstimmung im Senat (englisch, abgerufen am 22. November 2009)
cite-note-2828. â Spiegel Online: Obama und die Gesundheitsreform (deutsch, abgerufen am 25. Dezember 2009)
cite-note-2929. â Chicago Tribune: Senate vs. House Health Bill (englisch, abgerufen am 21. Dezember 2009)
cite-note-3030. â Ergebnis der Abstimmung, abgerufen am 22. MĂ€rz 2010
cite-note-3131. â United States Government Printing Office: Reconciliation Act of 2010 (englisch, abgerufen am 19. Oktober 2012)
cite-note-3232. â Ergebnis der Abstimmung im ReprĂ€sentantenhaus, abgerufen am 22. MĂ€rz 2010
cite-note-3434. â Urteil im Wortlaut (Memento vom 28. Juni 2012 im Internet Archive) (PDF; 0,8 MB) auf der Webseite des Supreme Court, abgerufen am 28. Juni 2012
cite-note-3535. â Spiegel.de / Marc Pitzke, Richter retten Obamas Prestigeprojekt
cite-note-3636. â sueddeutsche.de: Supreme Court billigt Gesundheitsreform
cite-note-3737. â [1] Zum Sachverhalt allgemein siehe auch www.npr.org
cite-note-3838. â Supreme Court: 13â354 Burwell v. Hobby Lobby Stores, Inc., 30. Juni 2014
cite-note-3939. â Supreme Court: King v. Burwell, 25. Juni 2015
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